Deutschland als Degrowth-Utopie (Symbolbild erstellt mit Hilfe von ChatGPT)

Die Religion der Satten

Von Michael Miersch

Konzerne und Kleinbetriebe gehen pleite, Läden machen dicht, Infrastruktur verfällt, die Bürger werden ärmer, der Staat hält sich mit Schuldenmachen über Wasser. Vor einem halben Jahrhundert wurde der Weg in die Deindustrialisierung eingeschlagen, die wir heute sehen. Viele begrüßten ihn damals als Erlösung von allen Umweltübeln.

Die Flüsse waren Abwasserkanäle, die Luft verpestet, der Müll häufte sich zu Bergen, Wälder kümmerten und Wildtiere verschwanden. Jahrhundertelang hatten die Menschen ignoriert, welche negativen Folgen der wirtschaftliche Fortschritt für die Natur und sogar für ihre eigene Gesundheit hatte. Als Millionen Europäer und Nordamerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg zu Wohlstand kamen, bemerkten sie es. Nun hatten sie Essen im Überfluss, Autos, hygienische Wohnungen, Fernsehgeräte und Urlaubsreisen. Doch ihre Umwelt war zu einer Müllkippe geworden. 1961 machte Willy Brandt als SPD-Kanzlerkandidat diese neu entdeckte Misere zum Wahlkampfthema: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ 1969 richtete das FDP-geführten Innenministerium erstmals eine Abteilung für Umweltschutz ein. Das neue Wort „Umweltschutz“ wurde rasend schnell populär.

Selten in der Geschichte verging so wenig Zeit zwischen dem Erkennen eines Missstandes und der Einleitung von Maßnahmen, um ihn zu beseitigen. In den folgenden Jahrzehnten wurden Ministerien und Behörden aufgebaut und Hunderte Umweltgesetze erlassen. Es entstanden zahlreiche Nichtregierungsorganisationen für Umwelt- und Naturschutz, die den staatliche Institutionen Dampf machten. In den 1980er- und 1990er-Jahren beherrschten Umweltthemen die Titelblätter der großen Zeitschriften und die Themenwahl der Fernsehsender. Die Reinhaltung von Luft und Wasser, Naturbewahrung, Waldschutz und Müll-Recycling erhielten politische Priorität. In den 1990er-Jahren wurden die Erfolge dieser ökologischen Zeitenwende messbar und bald auch sichtbar und riechbar.

Doch schon in der Frühzeit der Umweltpolitik entwickelte sich eine geistige Strömung, die über technische Verbesserungen und politische Reformen nur die Nase rümpfte. Für sie waren die Aktivitäten der Politiker, Technokraten, Ingenieure und Naturschützer nur Flickwerk an Symptomen. Aus ihrer Sicht waren technischer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum grundsätzlich verdammenswert. Selbst wenn sie dazu beitrugen, die Umwelt zu schützen und die Natur zu bewahren. Populär wurde diese Weltanschauung 1972 durch den Bestseller „Die Grenzen des Wachstums“. Zwar gab es auch in früheren Zeiten Denker, die ein Zurück zum einfachen bäuerlichen Leben oder gar zum Dasein der Jäger und Sammler romantisch ausmalten und alle Übel dieser Welt der technischen Zivilisation zuschrieben. Doch das waren einzelne Stimmen, bestenfalls elitäre Zirkel ohne Massenwirkung. „Die Grenzen des Wachstums“ erreichten jedoch ein Millionenpublikum. So geht es nicht weiter, lautete die Botschaft des Buches. Wir müssen zurück, uns einschränken, bescheidener werden, sonst geht der Planet vor die Hunde.

Mit Fehlprognosen zum Erfolg

Das Buch prognostizierte ein globales Desaster zum Ende des 20. Jahrhunderts. Alle wichtigen Rohstoffe würden erschöpft sein oder extrem knapp werden. Außerdem werde die Menschheit an Überbevölkerung, Nahrungsmangel und Umweltverschmutzung zu Grunde gehen. Das Gegenteil trat ein. Bis zum Jahr 2000 fielen die Preise fast aller wichtiger Ressourcen. Sie waren nach wie vor reichlich vorhanden. In den Industrienationen wurde die Umweltverschmutzung bekämpft. Das Bevölkerungswachstum verlangsamte sich. Kein Thema in dem allseits bejubelten Werk war übrigens das Klima. Das heutige Globalthema Nummer Eins interessierte damals kaum. Zwar gab es auch schon 1972 eine paar besorgte Klimawissenschaftler. Die warnten jedoch von globaler Abkühlung und waren medial bei Weitem nicht so präsent wie ihre heutigen Kollegen.

Dass die Modelle des Club of Rome von der Wirklichkeit widerlegt wurden, lag daran, dass die Grundannahmen, von denen die Autoren ausgingen, sich viel schneller änderten als gedacht. Sie hatten die positiven Folgen des technischen Fortschritts bei Weitem unterschätzt und empfahlen, die Industrieproduktion auf dem Stand der 1970er-Jahre anzuhalten, um einen Zustand weltweiten Gleichgewichts herzustellen. Doch in der Realität bewirkte ökonomische Wachstum, dass in vielen Ländern die Massenarmut zurückgedrängt wurde. In Folge konnten es sich immer mehr Staaten leisten, in den Umweltschutz zu investieren. Computer erhöhten in die Effizienz der Industrie, dadurch reduzierte sich der Rohstoffverbrauch. Doch ein Eingeständnis des Clubs, dass man falsch gelegen hatte, kam nie. Im Gegenteil: Bis heute gilt das Buch als die Öko-Bibel des 20. Jahrhunderts. Und obwohl sie komplett falsch lagen, werden die Autoren als Propheten gefeiert.

Die Utopie des Niedergangs

Die Denkschule der Wachstumskritiker nahm in den 1980er-Jahre langsam an Fahrt auf. Begriffe wie „Degrowth“, „Nullwachstum“ oder „Postwachstum“ wurden über akademische Kreise hinaus bekannt. In den 2010-Jahren kamen Theoretiker, die eine Abkehr vom materiellen Wohlstand und ein Schrumpfen der Wirtschaft als positive Utopie ausmahlten, auch in Deutschland zu einer gewissen Prominenz. Der Ökonom Niko Paech plädiert für „eine reale materielle Reduktion.“ In leichte Sprache übersetzt: „Mehr Armut!“. „Die Wirtschaft muss schrumpfen,“ fordert auch die prominente Journalistin Ulrike Herrmann und gibt dazu praktische Tipps: „Es braucht eine Art Kriegswirtschaft, aber im demokratischen Sinne. Die Produktion muss staatlich gesteuert werden, um die knappen Ressourcen für den Umbau zu nutzen.“ Solches Schrumpfen bewirke ein „Gefühl der Befreiung“, meint der Soziologe Harald Welzer. Die drei folgen einer langen Linie der Zivilisationskritik, die einst der norwegische Philosoph Arne Næss unter dem Begriff „Deep Ecology“ formuliert hatte. „Deep Ecology“ wendet sich gegen die aus seiner Sicht oberflächlicher Reformökologie, die nur Symptome behandelt. Er forderte stattdessen eine tiefe, wertebasierten Haltung, die Wachstum und Wohlstand als grundsätzlich schädlich erkennt.

Obwohl grünes Denken heute als „links“ gilt, war es im Grunde das Gegenteil linker Utopien, deren Kern darin besteht, dass Wohlstand allen zugutekommen soll und auch die Ärmsten ein Huhn im Topf haben. Wer weniger für alle fordert, gehört in der Regel zu denen, die bereits viel haben. Es ist eine Religion der Satten.

Bei den Grünen war die Wachstumskritik von Anfang an prominent vertreten. „Das Wachstumsprinzip ist das Grundübel der Industriegesellschaft“, erklärte der öko-konservative Mitbegründer der Partei Herbert Gruhl. Seither fordern die Grünen das Verbot vieler industrieller Produkte, die sie als überflüssig oder gefährlich erachten, unter anderem PET-Flaschen, PVC-Fensterahmen, Dosen, Pflanzenschutzmittel, Plastikstrohhalme. In ihren Kindertagen wollten sie sogar Computer verbieten. Auch Infrastrukturausbau war für sie des Teufels. Oftmals jahrelange Proteste und juristische Verfahren verhinderten oder verzögerten ICE-Trassen, Überlandleitungen, Autobahnen, Landebahnen, den Transrapid, Umgehungsstraßen und die Elbvertiefung. Bei Protesten und Prozessen erwiesen sich die Vorfeldorganisationen der Grünen, die Umweltverbände, als überaus hilfreicher außerparlamentarischer Arm. Der Bau von Wohnungen und öffentlichen Gebäuden wurde durch eine Vielzahl klimapolitischer Verordnungen immer teurer. Doch damit nicht genug: Ganze Technologiebereiche und Forschungszweige sollten für immer verschwinden, darunter Nukleartechnik, Gentechnik und Stammzellenforschung. Manches davon wurde erfolgreich verhindert oder abgeschafft, einiges jahrzehntelang ausgebremst. In wenigen Fällen besann sich die Partei eines Besseren und tolerierte den zuvor verdammten Fortschritt. Beispielsweise bei der medizinischen Gentechnik, deren oftmals lebensrettende Wirkung so vielen Menschen half, dass ein Verbot Wählerstimmen gekostet hätte.

Hessen als Versuchslabor

Die praktische Umsetzung der Degrowth-Ideologie begann 1985 in Hessen. Und zwar durch einen Grünen, der selbst gar kein Anhänger der Anti-Wachstums-Ideologie war. Joschka Fischer, erster Landesminister der noch jungen Partei, nahm den Kampf gegen die Industrie Hessens auf. Persönlich interessierte sich Fischer nicht allzu sehr für Umwelt- und Naturschutz. Er betrachtete den hessische Ministerposten eher als eine Stufe auf seinem Weg zu einer Karriere auf Bundesebene. Doch er musste der grünen Basis und dem mittlerweile gewaltig ergrünten Medienbetrieb liefern. Atomkraft? Nein danke! Chemie? Nichts als Gift. Pharmazie? Lieber Homöopathie! Lebensmittelindustrie? Macht uns krank. Dass die Industrie irgendetwas Gutes für alle Menschen hervorbringen könnte, hatten die in Zeiten stetigen Wirtschaftswachstums aufgewachsenen Generationen vergessen. Hessen war in den 1980er-Jahren das Zentrum des Konflikts um technischen Fortschritt und Wachstum. Hier saßen der Chemiekonzern Hoechst, die Nuklearbetriebe in Hanau und mit Biblis eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke der Bundesrepublik.

Der Hoechst-Konzern war in den 1980er-Jahren ein Symbol bundesdeutscher Industrie. Über 100.000 Beschäftigte weltweit, ein Milliardenumsatz, ein Werksgelände bei Frankfurt so groß wie eine eigene Stadt. Hoechst produzierte Kunststoffe, Pflanzenschutzmittel, Pharmaka – und zunehmend Hightech-Arzneimittel. Ein Schlüsselprojekt war die gentechnische Herstellung von Humaninsulin. Bis dahin wurde Insulin aus Schweine- oder Rinderbauchspeicheldrüsen gewonnen. Das gentechnisch erzeugte Humaninsulin war für die Patienten besser verträglich. Für die Grünen, ihre Vorfeldorganisation und einen Großteil der Medien war es jedoch ein furchtbares Risiko. Petra Kelly sprach von einem „Großexperiment am lebenden Menschen“. Fischer verweigerte Betriebserlaubnisse, verordnete immer mehr Sicherheitsauflagen, und verlangte zusätzliche Gutachten. Erst neun Jahre später konnte Hoechst die Erlaubnis zur Produktion vor Gericht erwirken. Heute ist das Gentechnik-Insulin Normalität und rettet das Leben von Millionen Diabetikern. Doch mit dem Konzern ging es bergab. 1999 wurde Hoechst an den französischen Pharmariesen Aventis verkauft, der später Teil von Sanofi wurde.

Nächster Akt waren die Hanauer Atombetriebe, ein Hightech Industriepark am Rande der Brüder-Grimm-Stadt, wo Brennelemente und anderes Zubehör für Kernkraftwerke erzeugt wurden. Es war das gleiche Spiel. Fischers Ministerium ordnete zusätzliche Kontrollen an, stellte Genehmigungen infrage, legte Produktionsstätten zeitweise still. Die Betriebe verloren Akzeptanz und Investitionssicherheit und wurden in dem 1990er-Jahren schrittweise geschlossen.

Weiter gings mit dem Kernkraftwerk Biblis. Fischer ließ Sicherheitsfragen prüfen und meldete Zweifel daran an, dass die Anlage ausreichend gegen Flugzeugabstürze geschützt sei. Die Grünen forderten den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Keine Nachrüstung, keine Übergangsfristen. Abschalten! 2011 ging das Kraftwerk Biblis vom Netz.

Das Ergrünen von SPD und CDU/CSU

Fischers Versuche einer Deindustrialisierung Hessens war die Ouvertüre. Die Grünen und die klagefreudigen Umweltverbände merkten, dass der Zeitgeist nun auf ihrer Seite stand. Der Applaus der großen Medien war ihnen sicher, Kritiker verstummten nach und nach. Kaum einer fragte mehr, ob es eine gute Idee sei, deutsche Schlüsselindustrien und die Energieversorgung abzuschalten. Die SPD, damals noch eine große Volkspartei, bekam Angst den grünen Trend zu verpassen. Dies einstige Fortschrittspartei wurden von Jahr zu Jahr immer fortschrittsfeindlicher und übernahm so gut wie alle Ideen der Grünen: Anti-Atom-Ideologie, Gentechnikverbot, Verhinderung der Erdgasgewinnung durch Fracking. „Es kann nicht sein“, sagte der ehemalige Vorsitzende der SPD-Hessen-Nord, Udo Schlitzberger, in den 1990er-Jahren, „dass die letzte technische Erfindung, die die SPD insgesamt begrüßt hat, die Erfindung des Farbfernsehers war.“ Seine Stimme verhallte ungehört. Für den Applaus grüner Meinungsführer gab die Partei sogar ihr soziales Gewissen auf. SPD-Minister verteilten Subventionen und Steuergeschenke an reiche Wind-, Solar- und Biogas-Investoren. Das Geld dafür wird per Steuerbescheid und Stromrechnung Geringverdienern abgeknöpft. Sozialdemokraten erlassen Gesetze, die Lebensmittel und Wohnen für alle erheblich verteuern. Was wohl die Gründer der Partei dazu gesagt hätten?

Da wollte die CDU/CSU nicht abseitsstehen und kopierte ebenfalls das Programm der Grünen. Kaum jemand hätte es in den 1990er-Jahren für möglich gehalten, dass es CDU/CSU Regierungen sein werden, die Pflanzengentechnik verbietet und den Atomausstieg beschließen – im Einklang mit der FDP. Entscheidungen, die nicht auf Sachverstand, sondern auf Opportunismus beruhten. Sowohl der einstige Agrarminister Seehofer (CSU) als auch seine Nachfolgerin Aigner (CSU) erklärten gegenüber Journalisten frank und frei, dass sie nichts gegen Pflanzengentechnik einzuwenden haben, aber Stimmung im Lande sei halt dagegen. Auch die Abgasemissionsnormen für Dieselfahrzeuge wurden zu Zeiten der schwarz-gelben Koalition drastisch verschärft. Weil sie es technisch nicht hinkriegten, entschieden sich die Autobosse dafür zu schummeln (was zum „Dieselskandal“ führte). Dies schien ihnen bequemer, als dem Zeitgeist zu widersprechen.

Das Klima kommt ins Spiel

Mitte der 1980er-Jahre kam ein Thema auf, von dem man erst annahm, es sei ein Umweltthema wie viele andere. Doch dann entwickelte es sich zum alles überstrahlenden Megathema, das alle anderen in den Hintergrund treten lies: der Klimawandel. Heutzutage ist von Umweltschutz und Naturschutz kaum noch die Rede. Der Klimaschutz steht über allem. Wenige Jahre zuvor hatten Grüne noch mehr Kohlekraft gefordert, weil ihnen der Atomausstieg am wichtigsten war. Jetzt also das Klima. Wissenschaftler hatten festgestellt, dass die Erde sich seit Ende des 19. Jahrhunderts erwärmte und dies mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mit der Zunahme von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre zusammenhing. Der nächste Paradigmenwechsel war da. Während es zuvor um Giftstoffe in Luft, Wasser und Lebensmitteln ging, um die Müllproblematik und den Naturschutz, stand nun ein natürlicher Bestandteil der Luft unter Anklage, ein essenzieller Lebensbaustein, ohne den es keine Pflanzen und damit auch keine Tiere und Menschen geben würde.

Wie schon in der Umweltdebatte wurden die Stimmen, die das Problem praktisch angehen wollten, in Deutschland von den Degrowth-Ideologen übertönt. Es gab kaum einen öffentlichen Diskurs darüber, ob nicht die effiziente CO2-freie Stromgewinnung durch Kernkraftwerke eine Option wäre. Oder, ob mehr Investition in Forschung und Technik helfen könne, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren. Oder der Aufbau resilienter Infrastruktur, falls es tatsächlich zu einem gewaltigen Anstieg des Meeresspiegels käme, den einige voraussagten. Stattdessen eroberten die Wachstumskritiker erneut die moralische Lufthoheit. Angefeuert von einem staatlich finanzierten Institut, das verlässlich und zum Entzücken vieler Journalisten den Menschen Angst und Schrecken einjagte. Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung versammelt die globale Elite der Apokalyptiker unter den Klimaforschern. Jetzt war die Reduktion von allem angesagt. Denn fast alle Wohlstand erzeugenden Prozesse setzen CO2 oder andere Klimagase frei. Erlaubte Technologien waren einzig Windkraft und Solartechnik, die keinen verlässlichen Strom liefern können – und Biogas.

Es wird teuer

Seit den 1990er-Jahren werken Minister von Klaus Töpfer (CDU) bis Robert Habeck (Grüne), von Peter Altmeier (CDU) bis Swenja Schulze (SPD) am Abbau der alten, funktionierenden und am Aufbau einer neuen immer noch nicht funktionierenden Energieversorgung. Stromeinspeisungsgesetz (1990), Marktanreizprogramm (1999), Erneuerbare-Energien-Gesetz (2000), Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (2002), Klimaschutzgesetz (2019), Reformen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (2004-2023), Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (2009), Windenergie-auf-See-Gesetz (2017), Gebäudeenergiegesetz (2020), Solarpakete I und II (2023 und 2024) usw. usf.

Die Energiewende wurde mit Versprechen eingeleitet, alles würde gut und nicht teuer. 1994 verkündete der bekannte Fernsehjournalist Franz Alt: „Die Sonne schickt uns keine Rechnung.“ 2004 versprach Umweltminister Trittin, es würde den durchschnittlichen deutschen Haushalt nicht mehr kosten als einen Euro pro Monat: „Soviel wie eine Kugel Eis“. Mittlerweile liegen die Kosten der Energiewende bei mehr als einer Billion Euro. Die Deutsche Industrie und Handelskammer und andere Institute prognostizieren bis zum Ende der ersten Jahrhunderthälfte Gesamtkosten (inklusive Energieimporte und Netzbetrieb) von bis zu 5,4 Billionen Euro. Ein Teil davon wird als Subventionen an die verteilt, die nicht gerade zu den Ärmsten gehören. Die Umweltprämie genannte Verschrottungsprämie für Autos, die üppige Förderung von Elektrofahrzeugen, von Wärmedämmung und Wärmepumpen waren und sind Unterstützungen für die Mittelschicht, die andererseits unter hohe Steuern ächzt. Von der linken Tasche in die rechte Tasche. Die Bürger freuen, sich wenn der Staat ihnen gibt, und vergessend dabei oftmals, was er ihnen vorher genommen hatte. Auch von den Subventionen, mit denen der Biolandbau künstlich am Leben gehalten wird, profitieren weniger die, die beim Discounter einkaufen müssen.

In den 2020er-Jahren nahm die Deindustrialisierung dann richtig an Fahrt auf. Die politischen Parteien, die Nichtregierungsorganisationen, die klimahysterischen Medien und die milliardenschwere Interessenvertretung der wenigen profitierenden „grünen“ Industrien bekamen einen mächtigen Mitstreiter: die Justiz. Bundesverfassungsgericht und Bundesverwaltungsgericht haben mit ihren Klima-Urteilen 2021 und 2025 der Deindustrialisierung quasi Verfassungsrang verschafft. Und kein Aufschrei geht durchs Land. Die Religion der Satten, die einst mit der nostalgischen Sehnsucht einiger zivilisationsmüder Denker begann, ist zur Leitkultur einer Industrienation geworden.

Geht’s der Natur und dem Klima nun besser?

Sind Postwachstum und Degrowth wenigsten gut für die Umwelt, die Natur oder das Klima? Tausende Fledermäuse, Vögel und andere Wildtiere sterben durch Windkraft. Maismonokulturen für Biogas veröden ganze Landschaften. Urwälder müssen für Ölpalmplantagen weichen, um die Nachfrage nach Biodiesel zu befriedigen. Auch Angesichts unmenschlicher Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörungen in Rohstoffminen für Energiewendetechnik sind Zweifel am ökologischen Segen der großen Transformation angebracht. Und was das Klima betrifft: Kein Klimaforscher behauptet, dass sich am Weltklima etwas ändern würde, wenn Deutschland sein Netto-Null-Ziel erreicht. „Deutsch sein,“ schrieb Kurt Tucholsky, „heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu übertreiben.“