Geldregen für Ladenhüter (Symbolbild erstellt mit Hilfe von ChatGPT)

Was haben Bioschweine, Elektroautos und Wärmepumpen gemeinsam?

Von Michael Miersch

…und was sagt das über Macht und Ohnmacht der Medien aus?

Wer heute ein E-Auto kauft, wird vom Staat dafür mit bis zu 6.000 Euro belohnt. Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, kann eine Förderung von 21.000 Euro einstreichen. Das sollte eigentlich dazu führen, dass die Leute Schlange stehen, um Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge zu erwerben. Tun sie aber nicht. Zwar haben das Heizungsgesetz und die üppige Förderung dazu geführt, dass bei Neubauten Wärmepumpen die Regel geworden sind. Doch es wird immer weniger neu gebaut. Das Gesamtbild ist bescheiden: Nur etwa drei bis vier Prozent der Wohnhäuser sind mit Wärmepumpen ausgestattet. Der Anteil der Elektroautos am gesamten PKW-Bestand ist mit 3,3 Prozent auch nicht beindruckend

Warum nur? An Mangelnder Werbung kann es nicht liegen. Seit vielen Jahren werden die Vorteile dieser technischen Errungenschaften propagiert, sowohl in staatlich geförderten Kampagnen als auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den privatwirtschaftlichen Medien. Sekundiert von mächtigen Verbänden und unermüdlichen Aktivisten. Obendrein geht seit Jahrzehnten ein Trommelfeuer von Schreckensnachrichten und Horrorprognosen auf die Bürger nieder, mit dem sie vor der Klimaapokalypse gewarnt werden. Jeder ist aufgerufen, mit dem Wechsel seines Fahrzeugs und seiner Heizung die totale Erderhitzung im letzten Moment abzuwenden. Geld, mediale Dauerbeschallung und ein Zeitgeist, der den Käufer der Klimarettungstechniken moralisch adelt. Das sollte eigentlich genügen, um eine Mehrheit zum Kauf zu bewegen.

Dass dieses Marketingkonzept nicht funktioniert, beweist seit über einem Vierteljahrhundert eine andere Branche, die zu den bestsubventionierten gehört und obendrein der Liebling fast aller Medien ist: der Biolandbau. Im Februar 2001 auf dem Höhepunkt der BSE-Rinderseuche kündigte die damalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast einen massiven Ausbau der Bio-Förderung an und setzte das staatliche Ziel, 20 Prozent Biolandbau in den kommenden zehn Jahren zu erreichen.

Schon davor, aber nach Künasts Initiative noch viel lautstärker, war die Berichterstattung über Biolandbau eine einzige Lobeshymne. Bis heute sind kritische Artikel oder Fernsehdokumentationen zu diesem Thema seltene Ausnahmen. Ökologische Schwachpunkte des Biolandbaus, wie der erheblich höhere Landverbrauch (je nachdem was angebaut wird, kann es bis zu 50 Prozent mehr sein), die Verseuchung der Erde durch Kupferpräparate im Wein- und Obstanbau oder die Schäden durch intensive mechanische Bodenbearbeitung, werden fast nie thematisiert. Von den ökonomischen Nachteilen ganz zu schweigen.

Als 2011 die größte Lebensmittelkatastrophe seit Bestehen der Bundesrepublik ausbrach und sich ausgerechnet Biosalatsprossen als Ursache der tödlichen Seuche herausstellten, wurde dies schon bald darauf vergessen. 4.000 Menschen infizierten sich damals, Hunderte erkrankten lebensbedrohlich, viele mussten an die künstliche Niere. 53 starben. Doch der Biolandbau behielt sein tadelloses Image.

Wie sieht es heute aus, ein Vierteljahrhundert nachdem Ministerin Künast das 20-Prozent-in-10-Jahren-Ziel gesetzt hatte? Nimmt man die Fläche, ist immerhin gut die Hälfte erreicht: 11,5 Prozent. Die Zahl der Betriebe liegt bei 14 Prozent, wobei besonders viele Kleinbauern nach Biorichtlinien produzieren. Bei den den Tiere haltenden Bauern sind die Biohöfe etwas geringer vertreten: 12 Prozent. Rinder: sieben Prozent. Milchbetriebe: sechs Prozent. Schweine: ein Prozent. Dazu sollte man wissen, dass Schweinefleisch in Deutschland das mit Abstand meistkonsumierte Fleisch ist. Ursache für dieses erstaunlich magere eine Prozent sind, wie mir Landwirte erklärten, weniger die Kosten für bessere Tierhaltung, sondern die Fütterung. Wer sich an die Vorgaben der Bioverbände hält, riskiert Krankheiten durch Eiweißmangel.

Es ist offensichtlich, das auch nach 25 Jahren nicht erreicht wurde, was 2001 in zehn Jahren geschafft werden sollte – trotz üppiger Förderung durch die wechselnden Regierungen und die EU. Die 35.800 deutschen Biobetriebe beziehen 30 bis 60 Prozent ihrer Einnahmen aus Fördermitteln. Ungefähr ein Viertel davon (circa 1 bis 1,4 Milliarden) sind spezielle Bio-Förderungen. Den Rest können auch konventionelle Landwirte erhalten, wenn sie bestimmte ökologische Bedingungen erfüllen. Der Staat meint es gut mit den Bios, egal ob die Landwirtschaftsminister grün, rot oder schwarz sind. Viel Aufwand für ein bescheidenes Ergebnis. Doch eine Analyse findet nicht statt. Stattdessen sind heute 30 Prozent Bio bis 2030 offizielle Regierungspolitik.

Warum geht es nur so zäh voran? Die Konsumenten machen nicht mit. Der Anteil der Bioprodukte am Gesamtumsatz der Lebensmittel beträgt sieben Prozent kann man überall lesen und hören. Das ist richtig, und dennoch ein bisschen Kosmetik. Denn die sieben Prozent geben den finanziellen Umsatz wieder. Der ist natürlich höher, weil Bioprodukte teurer sind. Nimmt man die Warenmenge, liegt der Anteil am Lebensmittelkonsum nach Jahrzehnten politischer, medialer und finanzieller Förderung bei vier bis fünf Prozent. Das wird selten so berichtet, lieber stürzen sich die Journalisten auf die Wachstumsraten, die beeindruckend klingen, wenn man nicht weiß, wie klein der Biomarkt wirklich ist.

Woran liegt das? Vermutlich an den höheren Preisen für Biowaren. Aber auch daran, dass vielen Menschen der Vorteil dieser Produkte nicht einleuchtet. Sie schmecken nicht besser. Außerdem sieht man überall, dass es immer mehr uralte Menschen gibt, die die meiste Zeit ihres Lebens arglos aßen und tranken, als Bio noch kein großes Thema war und die Landwirte auf Pflanzenschutzmittel vertrauten, die heute verboten sind.

Dass Bio trotz aller Bemühungen ein Minderheitenprogramm geblieben ist, fällt den Menschen aus dem Milieu der Medien, der Kultur und der NGO-Welt nicht auf, weil es in den Vierteln, in denen sie wohnen, nach viel mehr aussieht. Auch ich wohne schon lange in solchen Altbaukiezen deutscher Großstädte. Ein oder zwei Bioläden sind immer in Laufentfernung und selbst bei EDEKA und REWE gibt es viele Produkte nur noch mit Bio-Siegel. Die Welt außerhalb der Wahlkreise mit absoluter grüner Mehrheit sieht allerdings anders aus, wie die Statistik verrät.

Die mageren Erfolge der Bio-Förderung wurden von den meisten Politikern und Journalisten erfolgreich verdrängt. Und so wundern sie sich heute, dass sowohl Elektroautos als auch Wärmepumpen nicht so recht vom Fleck kommen – trotz finanzieller Anreize, medialer Begleitmusik und moralischem Zeigefinger. Wie schrieb Tucholsky so schön. „Das Volk ist doof, aber gerissen.“ Das Volk, der große Lümmel, ignoriert bei seinen Kaufentscheidungen unverschämterweise, dass konventionelle Lebensmittel von finsteren Giftspritzern produziert werden, Gasheizungen und Benzinmotoren in den klimatischen Weltuntergang führen.

Es ist eine harte Lektion für die Medienbranche. Wenn man den Menschen jahrzehntelang tagtäglich Angst einjagt, plappern sie zwar nach, was ihnen Onlinemedien, Zeitungen und Fernsehsender vorgeben. Aber sie ignorieren es im nächsten Moment, wenn es um materielle Entscheidungen geht. Man nennt es kognitive Dissonanz. „Klima, schlimm, schlimm, schlimm.“ Kurze Pause. „Wo fliegen wir dieses Jahr hin Schatz? Mauritius oder Malediven?“.

Es gibt gute Beispiele dafür, wie sich ökologisch sinnvolle Produkte ruckzuck durchgesetzt haben: Elektrofahrräder, Sprit sparende Autos, Haushaltsgeräte mit niedrigem Stromverbrauch oder biologisch abbaubare Waschmittel. Ihre Vorteile überzeugten die Kunden, ohne dass staatliche Propagandisten auf die Käufer einreden mussten, wie auf störrische Kinder.

Wenn Sie liebe Leserin und lieber Leser nun den Eindruck gewonnen haben, ich sei gegen den Biolandbau, haben sie mich falsch verstanden. Jeder, der es mag, soll mit Bio glücklich werden, genauso wie jeder Muslim die Möglichkeit haben soll halal zu essen und jeder Jude koscher. Nur dass der Staat allen Bürgern einredet, nach welchem Glaubenssystem sie essen sollen und dafür großzügig Geld an Interessengruppen verteilt, halte ich für Verschwendung von Steuermitteln. Steuern, die auch bei denen kassiert werden, die sich Bio nicht leisten können. Gern schmückt sich die Mittel- und Oberschicht mit Elektroautos, Wärmepumpen, Windräder und anderen Accessoires aus dem Reich des Guten – und die Bürger mit geringem Einkommen müssen das mitfinanzieren.

Es gibt bis heute keinen Beweis, dass Bioprodukte gesünder sind, obwohl seit 100 Jahren versucht wird, ihn zu erbringen. Die unstrittigen Umweltvorteile von Bio werden dadurch stark relativiert, dass die Biobauern doppelt soviel Land unter den Pflug nehmen müssen, um die gleich Menge Nahrungsmittel zu erzeugen. Das wirklich Gute an Bio ist aus meiner Sicht die Tierhaltung. In der Mehrzahl der Biobetriebe sind die Tiere besser untergebracht als in den meisten konventionellen Betrieben (obwohl es auch immer mehr gute konventionelle Tierhalter gibt). Ich schaue beim Kauf aufs Tierwohlsiegel und das finde ich meistens bei Milch, Käse, Fleisch und Eiern von Biohöfen. Der ganze Kult drumherum ist mir herzlich egal.